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Verkrempelung – mit Gabriel Yoran
13.09.2026
Spiegel Online: Was mich an diesem Medium zunehmend nervt, ist nicht nur die Fixierung auf Sex- und ETF-Themen. Es ist auch der belehrende Ton, der mich aus der Titelzeile nahezu jedes Artikels anschreit: So bindest du deine Schnürsenkel richtig. Diese 12 Nuss-Nougat-Brotaufstriche solltest du unbedingt kennen usw. Schreiben irgendwelche Journalisten, deren Perspektive auf die große weite Welt hauptsächlich darin besteht, einige Jahre behütet auf der Henri-Nannen-Schule verbracht zu haben. (Okay, manche haben noch ein landwirtschaftliches Praktikum in einem Kibbuz absolviert, als das noch en Vogue war.) Ich hab jedenfalls keine Lust mehr auf ständige Belehrung und fühle mich von diesem Umgangston abgestoßen. Ich lese lieber Artikel, in denen der Autor sich mit mir erstmal auf Augenhöhe begibt und dann erzählt, was er bei seiner Recherche herausgefunden hat.
Wenn man alte Spiegel Hefte liest, merkt man, was heute fehlt.
Ich habe mich ja gerne über die ausschweifende Art des Einstiegs lustig gemacht.
Aber dann folgte in der Regel Tiefgang. Heute gehe ich oft aus Artikeln raus und habe vor allem das Gefühl, der Artikel musste schnell fertig werden.