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Überwachung in DE, Kobras, Brieftauben
17.07.2026
Zum KI-Cobra-Feuerwehrthema: So eine Alarmierung läuft ja gar nicht direkt bei der Feuerwehr auf, sondern in der Leitstelle. Wie das in Schleswig-Holstein ist, weiß ich nicht, hier in Niedersachsen ist das ein ständig besetztes Zimmer in einem der Kreishäuser, die gemeinsam die Leitstelle betreiben. Die entscheiden aufgrund des Anrufers, welche Kräfte initial alarmiert und losgeschickt werden und vor Ort wird dann ggf. nachalarmiert. Bilder werden vor einer Alarmierung übrigens eh nicht übertragen, normalerweise. Schon nicht vom jeweiligen alarmierenden Bürger, eigentlich aber auch nicht von der Leitstelle zu den alarmierten Wehren. Natürlich gibt es Mittel und Wege, das zu tun – bei so einer Schlangensichtung wird es wohl so gelaufen sein, dass der Anrufer vor Ort war und den Einsatzkräften die Aufnahme nach deren Eintreffen erst gezeigt hat
Wo da jetzt der “Schlangenexperte” zum Einsatz kam, konnte ich aus der Berichterstattung nicht rauslesen aber die Formulierung “konnte nicht ausschließen” finde ich nachvollziehbar, denn Feuerwehr funktioniert in der Tat so, dass auch mal auf Verdacht losgefahren wird – und man wartet logischerweise nicht ab, bis irgendwer kurz mal ne Echtheitsprüfung auf KI gemacht hat. Würde man bei einem Fake-Feuer oder einem Fake-Unfall auch nicht, weil das Zeit kostet, die Menschenleben gefährdet. Die von euch erwartete Plausibilitätsprüfung würde man in jedem Fall erst nach einer Alarmierung machen, auch wenn die nur Sekunden dauert. Aber auch dann würde sich die Frage stellen, ob eine solche Prüfung denn wirklich zu 100 Prozent ein zuverlässiges Ergebnis liefert.
Im Fall des Bildes, um das es hier geht, könnte ich mir auch vorstellen, dass die Schlange real ist, einer ein verschwommenes Bild macht, das mittels KI schärft, das Ergebnis dann weiterverschickt – et voila, würde der Check möglicherweise einen Einsatz verhindern, der in Wirklichkeit nötig wäre, weil die Schlange echt ist, obwohl das Foto KI-bearbeitet war…
So arbeitet Feuerwehr nicht und so darf Feuerwehr auch nicht arbeiten, sondern hier wird im Zweifel eben der halbe Landkreis an Kräften rausgeschmissen, statt auch nur ein einziges Menschenleben zu riskieren. Aus dem gleichen Grund sind ein Großteil der Brandeinsätze heutzutage blinde Alarme, weil die Brandmeldeanlage falsch auslöst. Das könnte man theoretisch sicher auch erstmal prüfen, in dem man einen Bewohner dort anruft oder so. Aber wenn dann das Krankenhaus doch brennt und man zwei Minuten verdaddelt, um da irgendwen ans Telefon zu kriegen, wäre das eben unverantwortlich, also schickt man trotzdem erstmal 120 Einsatzkräfte auf den Weg in die Gerätehäuser. Ds ist absoluter Standard. Aber darüber entscheidet trotzdem nicht die Feuerwehr selbst, sondern die Leitstelle, also letztendlich die Kreisverwaltung.
Und noch zum Thema “gibts keine Berufsfeuerwehr mehr”: In Deutschland wird der Brandschutz flächendeckend von der Freiwilligen Feuerwehr sichergestellt. In Klein- und Mittelstädten gibt es häufig ergänzend dazu einige wenige hauptamtliche Kräfte, die dann freiwillige Feuerwehrleute und gleichzeitig sowas wie Hausmeister/Zeugwarte sind, wenn wir über größere Städte reden gibt es vielleicht auch sowas wie eine Rumpfmannschaft in Festanstellung. Berufsfeuerwehren ergänzen ausschließlich in Großstädten dieses grundlegende System. Aber locker 95 Prozent der Feuerwehrleute in Deutschland sind Ehrenamtler, das ist das primäre System, auf dem der Brandschutz basiert. Das ist auch in Stadtstaaten wie Hamburg oder Berlin so, die personell gut aufgestellte Berufsfwehren haben.
Aber die Alarmierung – auch wenn ich das hier mit Sicherheit nur für Niedersachsen sagen kann und das natürlich Ländersache ist – funktioniert eben über die jeweilige Verwaltungsebene. Das ist dann im Detail unterschiedlich organisiert. Aber es läuft definitiv nicht so, dass im Vorfeld einer Alarmierung in irgendwelchen Chats herumgefachsimpelt wird, sondern die übergeordnete Behörde schickt im Zweifel erstmal los – und das ist kein Bug, das ist ein Feature. Es ist total normal, dass ein sehr hoher Prozentsatz der Einsätze sich im Nachhinein als falscher Alarm herausstellen. Das gehört einfach dazu.
Langer Rede kurzer Sinn: Was verstanden werden muss, ist, dass alle Rettungsdienste, wo es um Menscheleben geht, auf Verdacht arbeiten und versucht wird, jede Sekunde an Zeit zu sparen. Schon deshalb ist eine Prüfung VOR der Alarmierung gar keine Option. Dass das auch praktisch fatal fehlschlagen kann, habe ich aber ja auch dargelegt. Hier liegt nach meinem Verständnis also weder ein Versäumnis vor, noch fehlt es an technischer Expertise (bzw. ist das jedenfalls nicht das Problem). Sondern es lief so, wie es zu laufen hat und wie es eigentlich auch sinnvoll und wünschenswert ist – mit Ausnahme des wirklich blöden Scherzes, der das Theater verursacht hat.